Winzendorf überraschte mit jungem Ensemble

Winzendorf 2013Gespannt erwarteten die Karl May Fans die Saison 2013 in Winzendorf. „Winnetou und der Ölprinz“ stand auf dem Programm. Eines schien auch den Verantwortlichen der Bühne klar geworden zu sein: einen weiteren Flop wie im Vorjahr darf es heuer nicht geben. In Internetforen für Schauspieler suchte man daher nach einem neuen Winnetou-Darsteller, der den Vorstellungen entsprach. Es begann ein großes Rätselraten, wen man schlussendlich in der Rolle des edlen Apachenhäuptlings zu sehen bekommen würde. Und dann die Überraschung: als in den Wiener U-Bahnen die ersten großen Poster zu sehen waren, stand bereits fest, Sascha Hödl ist der neue Winnetou. Auf der Website der Bühne dagegen dauerte es noch einige Zeit, bis man mit dieser Nachricht an die Öffentlichkeit ging. Nicht nur Hödl, sondern das gesamte Ensemble war eine Überraschung. Lauter junge Darsteller, die mit großer Leidenschaft eine grandiose Inszenierung auf die Bühne brachten. Allen voran Sascha Hödl, der einen edlen Winnetou verkörperte und Georg Blume, der einen richtig bösen Ölprinzen gab, der in einem spektakulären Finale sein verdientes Ende fand. Die Handlung war frei nach Karl May inszeniert, wobei man jedoch deutlich bemüht war, sich der Buchvorlage anzunähern – ganz im Gegensatz zur letzten Saison. Hier hat man in Winzendorf wieder auf einem guten Weg zurück gefunden. Regie führte – man höre und staune – eine Frau, nämlich die junge Holländerin Eveline Gorter. Sie war bereits als Musicaldarstellerin und Choreographin tätig und spielte in Hape Kerkelings Musical „Kein Pardon“ mit. In Winzendorf gab sie nun ihr Regie-Debüt, und das hat sie mit Bravour gemeistert. Wer bislang meinte, Karl May auf die Bühne zu bringen sei Männersache, wurde heuer eines besseren belehrt. Die Inszenierung von Eveline Gorter war ebenso temporeich und actiongeladen wie vergangene Stücke von Rochus Millauer. Kritisch zu werten ist nach wie vor die Darstellung des Sam Hawkens, der in Winzendorf erneut als vertrottelte Witzfigur am Rand erscheint. Bitte nicht missverstehen – Michael Dreesen macht seine Sache überragend gut und läuft zu schauspielerischen Höchstleistungen auf, aber so stellt man sich Sam Hawkens beim besten Willen nicht vor. Hier sollte man noch am Drehbuch arbeiten. Dagegen hätte die Rolle des Kantor Hampel, der im wilden Westen eine Oper komponieren will, viel besser zu Michael Dreesen gepasst. Diese Figur hatte man in der Winzendorfer Inszenierung jedoch leider ganz gestrichen. Dafür wurde Sam Hawkens von der Muse geküsst und wollte sich als Komponist versuchen. Schade. Man hätte sich an dieser Stelle tolle Dialoge zwischen Hawkens und dem Kantor vorstellen können. Doch so hat man hier leider viel Potential verschenkt. Aber vielleicht lernt man daraus und macht es 2014 anders. „Winnetou und der Schatz im Silbersee“ steht bereits auf dem Programm. Dreesen wäre geradezu prädestiniert für die Rolle des Lord Castlepool. Fazit: Winzendorf bot in diesem Jahr wirklich eine gelungene und mitreißende Inszenierung, und wer mittlerweile über die unnötige Überdachung der Bühne hinwegsehen konnte, kam ganz auf seine Kosten.

Winzendorf 2013
Tunnel-Feeling statt Freilicht-Romantik: Gegenlicht von der Sonne gab es auch an den Spätvorstellungen, und trotz Beleuchtung standen die Darsteller oft im Dunkeln.

Fotos: Privat