Winnetou II – Eindrücke vom Stück auf der neuen Winzendorfer Bühne

Mit einem neuen Ensemble auf einer erstmals überdachten Bühne ist man in Winzendorf in die Saison 2012 gestartet. Gespielt wird der Klassiker Winnetou II. Winnetou Web Austria war vor Ort und hat Eindrücke gesammelt.

Das neue Stück beginnt mit einer unschuldigen Romanze: Ribanna, Tochter des Häuptlings der Assiniboins trifft sich heimlich in den Bergen mit Parranoh. Beide feiern an diesem Tag ihren 16. Geburtstag und gestehen sich ihre Liebe. Da erscheint plötzlich ein Feuerregen aus einer Höhle, und die Stimme eines Geistes ertönt, der über einen verborgenen Goldschatz wacht. Parranoh will das Gold an sich bringen, doch der Geist gewährt ihm keinen Zutritt und sagt ihm, dass das Gold in sieben Jahren freigegeben wird, wenn ein Mann und eine Frau aus verschiedenen Völkern sich lieben und das Gold zum Wohle aller einsetzen wollen. Ribanna und Parranoh fühlen, dass sie beide damit gemeint sind. Parranoh gelingt es aber dennoch, ein kleines Stück Gold an sich zu bringen. Da taucht sein Vater auf, der ihm einschärft, dass Gold nur Unglück über die Menschen bringt. Ribannas jüngerer Bruder Eiserne Faust beobachtet die Szene. Er weiß nicht, was da genau vor sich geht, doch er wähnt seine Schwester in Gefahr und erschießt Parranohs Vater. Da seine Mutter einst ebenfalls von Indianern getötet wurde und er nun auch seinen Vater sterben sieht, stößt er Ribanna von sich und schwört Rache.

Sieben Jahre später: Ribannas Vater ist inzwischen gestorben, und ihr Bruder Eiserne Faust ist Stammeshäuptling der Assiniboins. Parranoh hat mexikanische Banditen um sich geschart. Er terrorisiert die Gegend und schiebt die Schuld den Assiniboins in die Schuhe. Sein Ziel: er will den Goldschatz an sich bringen. Dem Volk der Assiniboins geht es sehr schlecht. Sie sind auf das Gold angewiesen, um zu überleben. Winnetou und Old Shatterhand helfen den Indianern und den Bewohnern der Stadt Little Town gegen Parranoh und seine Banditen. Als Winnetou zum ersten Mal auf Ribanna trifft, rettet er sie vor einem Bären. Die beiden verlieben sich, doch hat Ribanna wirklich keine Gefühle mehr für Parranoh? Bei den Banditen kommt es zu Streitigkeiten, und Parranoh wird als Anführer abgesetzt. Als er sich allein auf die Suche nach dem Gold macht, trifft er wieder auf Ribanna. In einem rührenden Moment finden die beiden wieder zu ihrer alten Liebe zurück, und Parranoh beschließt, Ribanna zu helfen. Die Banditen wollen ebenfalls das Gold an sich bringen, und so kommt es zum Showdown in den Bergen.

Bewertung: Mit Winnetou II versucht man mit einem neuen Ensemble unter neuer künstlerischer Leitung an die vergangenen Erfolge anzuknüpfen. Das gelingt auch recht gut. Die Handlung ist wie schon zu Zeiten von Rochus Millauer sehr temporeich und emotionsgeladen inszeniert. So manche große Bühne könnte hier noch einiges lernen. Insbesondere sind hier die Szenen mit Linda Holly als Ribanna und Georg Blume als Parranoh zu nennen. Georg Blume kann an seine vergangenen Erfolge anknüpfen, und man fühlt sich zurückversetzt an jene Sternstunden, in denen er mit Regine Rieger auf der Bühne stand und das Publikum verzauberte. Blume und Holly sind die eigentlichen Stars dieser Inszenierung, und schon allein um ihre Auftritte zu genießen, lohnt sich der Besuch in Winzendorf. Alexander di Capri als Winnetou und Leopold Selinger als Old Shatterhand wirken dagegen eher wie farblose Randfiguren. Sie lachen und scherzen miteinander, ihr Zusammenspiel wirkt gekünstelt, und Winnetou ist nicht mal in der Lage, seinen eigenen Namen richtig auszusprechen – wer bitte ist Uinnitu? Und mal ehrlich, ein lachender Winnetou geht gar nicht. Den edlen Apachenhäuptling kauft man Alexander di Capri einfach nicht ab, die Rolle eines Banditen würde ihm dagegen viel besser stehen. Einen so unedlen Winnetou und einen so farblosen Shatterhand hat es in Winzendorf bislang noch nie gegeben. Da darf dann auch mal die Frage erlaubt sein, was sich die Regie dabei gedacht hat – oder war das laut Drehbuch so vorgegeben? Wenn man schon solche hochkarätigen Schauspieler für diese Rollen verpflichtet, dann sollte man doch erwarten können, dass man aus ihnen auch entsprechende Leistungen herausholt. Da Leopold Selinger von Natur aus dunkle Haare hat, wurde ihm für die Rolle des Old Shatterhand eine blonde Perücke verpasst – oder hat man nur die Haare gefärbt? Wie auch immer, es sieht einfach nur komisch aus. Die dunklen Haare würden eigentlich gar nicht stören. Aber es kommt noch dicker. Sam Hawkins wird ja bekanntlich auf allen Karl May Bühnen als Witzfigur dargestellt. Das ist auch gut so und soll auch so sein. Doch was man in diesem Jahr in Winzendorf erlebt, entbehrt jeder Beschreibung. Die Figur, die da unter dem Namen Sam Hawkins über die Bühne torkelt, ist ein hilfloser und versoffener Volltrottel, der ständig kotzen muß und nicht weiß, wo sein Pferd geblieben ist. Er ist so gut wie gar nicht am eigentlichen Geschehen beteiligt, und man hätte seine Rolle genauso gut aus dem Drehbuch streichen können. Schade. Positiv ist dann aber wieder Sascha Hödl in der Rolle des jungen Häuptlings Eiserne Faust. Er war in den vergangenen Jahren bereits Mitglied im Stammensemble und hat sich seither weiterentwickelt. Man kann sogar durchaus die Frage stellen, ob er nicht der bessere Winnetou für diese Inszenierung gewesen wäre.

Inhaltlich wurde das Stück sehr frei nach Karl May inszeniert. Vom eigentlichen Buch findet sich im Stück außer den Namen der Personen gar nichts wieder. Im Buch wurde Ribanna von Parranoh getötet. Eine Romanze gab es im Buch zwischen ihr und Old Firehand. Um der Vorlage etwas gerechter zu werden, hätte man also in dieser Inszenierung eine Romanze zwischen Ribanna und Old Shatterhand bringen können. Dann wären auch immer noch die Bedingungen des Geistes zur Freigabe des Goldes erfüllt gewesen. Das Stück hätte dann dramatisch enden können, indem Parranoh stirbt und Ribanna mit sich in den Tod reißt. Bei dieser Variante wäre auch die Freundschaft von Winnetou (der ja auch in Ribanna verliebt war) und Old Shatterhand auf eine harte Bewährungsprobe gestellt worden und hätte Stoff für tolle Dialoge zwischen den Blutsbrüdern geliefert.

Es kommt aber in der Inszenierung zu einem – eher unerwarteten – Happy End für Parranoh und Ribanna, und dadurch entsteht ein Konflikt, der nicht aufgelöst wird. Wir erinnern uns: bevor Parranoh zur Besinnung kommt und Ribanna hilft, war er Anführer der Banditen und hat gemordet und geplündert. Und darüber soll nun hinweg gesehen werden, nur weil er wieder Ribanna liebt? Keine Strafe für den mehrfachen Mörder? Und was will man dem Zuschauer dadurch vermitteln? Diese Inszenierung schreit förmlich nach einem tragischen Ende. Parranoh und Ribanna hätten beide sterben müssen. Dann wäre der Konflikt nicht entstanden und Winnetou und Old Shatterhand hätten noch eindrucksvoller aufzeigen können, dass die Gier nach Gold der Ursprung des Verderbens ist.

Fazit: Insgesamt ist die diesjährige Aufführung von Winnetou II spannend, temporeich und emotionsgeladen inszeniert, und das neue Ensemble knüpft an die vergangenen Erfolge an. Neben den Stärken müssen aber auch die Schwächen betont werden, und die gilt es, im nächsten Jahr auszubessern. Die künstlerische Leitung wäre gut beraten, mehr noch an den drei Hauptrollen zu arbeiten, oder wenn möglich sogar eine Umbesetzung vorzunehmen und die Schauspieler aus dem vergangenem Jahr wieder zu verpflichten. Außerdem wäre etwas mehr Romantreue wünschenswert, so dass man die Vorlage von Karl May wenigstens in Ansätzen wiedererkennen kann.

Bühne: durch die Neuerungen – die Bühne und der Zuschauerraum wurden vollständig überdacht – ist die Bühne nun wesentlich kleiner geworden. Man kann sie gar nicht mit der alten Naturbühne vergleichen. Aber trotzdem bietet die neue Bühne auch neue Möglichkeiten, und die einzelnen Szenen können sehr schön gestellt werden. Das neue Konzept scheint aufzugehen: da bei jeder Wetterlage gespielt werden kann, sind die Vorstellungen nicht nur gut besucht, sondern es sind bereits weitaus höhere Besucherzahlen vorzuweisen, als in den vergangenen Jahren.

Fotos: Winnetou Web Austria

Ein Gedanke zu “Winnetou II – Eindrücke vom Stück auf der neuen Winzendorfer Bühne

  1. Ribanna und Parranoh sind wirklich sehenswert. Aber das Stück im gesamten kann an das Niveau der letzten Jahre nicht im geringsten halten. Winnetou und Old Shatterhand lassen sich bei ihrem Auftritt bejubeln, bevor sie überhaupt irgendwas geleistet haben. Ein Sam Hawkins, der anscheinend nicht mal reiten kann. Die Actionszenen waren derart in die Länge gezogen, dass jedem Laien auffallen mußte, dass die Pferde offensichtlich getauscht werden mußten. Wieviel Pferde spielten mit? 5 oder 6. Mehr waren das nicht. Dadurch wirkten die „Kampfszenen“ eher langweilig als aufregend. Hinter der Bühne scheint sich auch einiges verändert zu haben. Es dauerte für mich als Zuschauer ziemlich lange, wenn einer auf einer Seite verschwand, bis er auf der anderen Seite wieder auftauchte. Und die Szenen auf der Brücke? Waren ja ganz nett, aber dann mußten die Reiter langsam den Weg herunterreiten und die Zuschauer einfach nur zuschauen – keine Dialoge, keine Musik währenddessen.
    Naja und der Bühnenumbau ist Geschmacksache. Wer die Winnetou-Festspiele liebt, der liebt auch die Freilichtbühne. Und dass ist es einfach nicht mehr.
    Insgesamt nett, aber nicht aufregend. Viele Szene wirkten sehr gestellt. Und ein Eintauchen in die Welt Karl-Mays – wie es eigentlich sein sollte – kam einfach nicht zustande.
    Für nächstes jahr bedarf es einiger Anstrengungen und auch Umbesetzungen: bei den Schauspielern, bei der Regie. Naja und das Drehbuch sollte sich auch mehr an der Originalfassung orientieren, sonst kommt es bei sehr vielen Besuchern zu einer großen Enttäuschung.

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