Quo Vadis Winzendorf?

Über Besserwisser und Bessermacher

Auf der Bühne spielte er den Bösewicht. Aber auch abseits der Bühne ist er bei den Fans der Winnetou Festspiele Winzendorf nicht mehr gern gesehen. Die Rede ist von Martin Exel, dem Besitzer der Freilichtbühne. Was ist dort vorgefallen? Bereits vor Beginn der Saison 2011 stand schon fest, dass die neuen Hauptdarsteller gar keine Chance für weitere Verpflichtungen auf der Karl May Bühne hatten. In einem Internetforum für Schauspieler wurden nämlich bereits neue Akteure aus Deutschland angeworben, die ab 2012 zum Einsatz kommen sollen. Aber es kommt noch viel schlimmer: nicht nur die Hauptdarsteller, sondern das gesamte Ensemble von Rochus Millauer und Rainer Vogl, welches sich in den vergangenen 4 Jahren in die Herzen der Zuschauer gespielt hat, steht vor dem Aus. Exel plant eine abgespeckte Action-Show, in der nur noch eine Hand voll Darsteller Platz haben. Inhaltlich soll es ersten Meldungen zufolge eine Show mit Mischung aus Wilder Westen und Fantasy werden, bei der man größeren Wert auf Show-Effekte als auf die Handlung und schauspielerische Leistungen legen wird. Reitstatisten sollen dann offensichtlich auch keine mehr zum Einsatz kommen, denn die Pferdestallungen wurden bereits unmittelbar nach Ende der Saison komplett abgerissen. Darüber hinaus hat man begonnen, auf der Bühne Mauern zu errichten, so dass man mit Pferden ohnehin kaum noch auf der Bühne reiten kann. Bis nächstes Jahr soll die Bühne überdacht werden. Dadurch wird das Bühnenbild entstellt und der Ausblick auf die Felsen zur Hälfte verbaut. Unweigerlich drängt sich dem Außenstehenden die Frage nach dem „Warum“ auf. Warum werden hier plötzlich völlig neue Wege eingeschlagen? Die Zuschauerzahlen werden kaum das Problem gewesen sein, denn auch in der diesjährigen Saison mussten wie im vergangenen Jahr an regenfreien Tagen Stühle nachgestellt werden – so hoch war zuweilen der Besucherandrang. Ebenso stellt sich die Frage, wen Exel mit seinem fragwürdigen Konzept eigentlich ansprechen will. Das Publikum der Winzendorfer Bühne kommt in erster Linie wegen den tollen Karl May Inszenierungen, die es dort jährlich zu sehen gab. Das geplante Action-Spektakel für 2012 kann bestenfalls ein Publikum der Wiener Stadthalle interessieren, aber ob sich das auch nach Niederösterreich locken lässt, steht auf einem anderen Stern. Das bisherige Publikum wird Exel mit seinem Vorhaben vergraulen, und geringere Besucherzahlen scheinen da schon vorprogrammiert zu sein. Fest steht: richtige Karl May Festspiele, so wie man sie in diesem Jahr noch dank der überragend guten so wie May-getreuen Inszenierung von Rochus Millauer erleben konnte, wird es zukünftig in Winzendorf nicht mehr geben. Die Namen der Karl May Helden dienen zukünftig bestenfalls nur noch als Werbemittel für eine schlechte Idee. Und: mit der Entlassung von Rochus Millauer und Rainer Vogl geht eine große Karl May Ära in Österreich zu Ende. Millauer war bereits viele Jahre in Gföhl tätig und machte die Waldviertler Bühne mit seinen Inszenierungen zum Inbegriff der österreichischen Karl May Szene. Vogl spielte sich ebenfalls in Gföhl als Sam Hawkens in die Herzen der Zuschauer. Im Jahr 2008 wechselten die beiden nach Winzendorf, da die Gföhler Bühne mit Aufführungen pausierte. Aus selbigen Grund folgten ihnen weitere Mitglieder des Gföhler Ensembles, wie etwa Regine Rieger und Helmut Urban. Millauer und Vogl standen nun vor der großen Herausforderung, aus den Gruppen aus Winzendorf und Gföhl ein neues einheitliches Ensemble zu bilden. Das Vorhaben gelang, und das neue Ensemble der Winzendorfer Bühne entwickelte sich zum Magnet in der Region. Dass Exel nun ausgerechnet jene Leute entlässt, die für den Erfolg und die Beliebtheit seiner Bühne verantwortlich sind, ist unbegreiflich. Außerdem schmerzt es sehr, dass Exel im nächsten Jahr Akteure aus Deutschland auf seine Bühne holt, ganz so als ob es in Österreich keine jungen talentierten Künstler gäbe. Die Fans trauern mit dem Ensemble, was bleibt sind die Erinnerungen an vergangene Sternstunden. Danke Rochus, danke Rainer, und danke Euch allen aus dem Ensemble. Ihr habt uns verzaubert. Schade, dass Ihr es nun nicht mehr dürft.

Die Bühne, wie die Fans sie mögen.
Die Bühne, wie die Fans sie mögen.
Die Bühne im Umbau
Nach der Saison: ein trauriges Bild

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