Ein Festspielsommer geht zu Ende

Am vergangenem Wochenende liefen auf den österreichischen Karl May Bühnen die letzten Aufführungen für dieses Jahr. Welche Erinnerungen bleiben nach solch einem bunten Festspielsommer? Mit einem Schmunzeln wird man sicher gerne an die Gastauftritte von Baumeister Richard Lugner in Gföhl zurückdenken, der trotz der kurzen Szenen Textpatzer hatte. Dem Publikum hat’s aber dennoch gefallen. Die wohl größte Überraschung in diesem Sommer gab es ebenfalls in Gföhl zu sehen, nämlich die Rückkehr eines ehemaligen Bad Segeberger Winnetou-Darstellers auf einer österreichischen (!!!) Karl May Bühne – Thomas Schüler. Und der gab als Bösewicht sein Bestes, so dass es eine wahre Freude war, ihn auf der Bühne in Aktion zu erleben. Schade nur, dass man sein großes schauspielerisches Talent am Ende des Stücks nicht wirklich voll und ganz ausgenutzt hat, denn das Finale war in Gföhl recht schnell und einfallslos inszeniert und bot kaum Spannung. Mit einem Schauspieler wie Thomas Schüler hätte man da noch viel mehr machen können. So bleibt zu hoffen, dass der Drehbuchautor für das nächste Stück in Sachen Dramaturgie ein besseres Händchen haben wird. Lernen könnte man an dieser Stelle von der diesjährigen Inszenierung in Winzendorf. Hier gab es einen rasanten Western mit spannungsgeladenem Finale zu sehen. Und als man dachte, das Stück seie nun zu Ende, brachte man noch einmal eindrucksvoll und schaurig zugleich den Bösewicht ins Spiel und ließ diesen samt seiner Goldmine in die Luft fliegen. Überhaupt spielten auf allen drei Bühnen die Bösewichte überragend gut. Christoph Prückner gab in Winzendorf sein Debüt als Bösewicht und bewies, dass er nicht nur in komischen Rollen glänzen kann. Wolfgang Lesky war dem Weitensfelder Publikum bereits aus dem letzten Jahr vertraut. Damals spielte er Santer und war in diesem Jahr als gnadenloser Cornel Brinkley auf der Jagd nach dem Schatz im Silbersee.

In Weitensfeld gab es einen viel zu alten aber dennoch überzeugenden Shatterhand. Für Albert Fortell war dies die Erfüllung eines Jugendtraums, und er war vor allem sehr stolz, dass er mit seinem Sohn Nikolaus gemeinsam auf der Bühne stehen konnte. In Winzendorf stand Sissi Millauer ebenfalls mit ihren beiden Söhnen auf der Bühne. Vor allem der jüngere Felix spielte sich in die Herzen der Zuschauer. Nach der letzten Vorstellung wurde er dann unter tosendem Beifall des Publikums als „schweinisch guter Darsteller“ mit dem Ehrentitel „Rampensau“ ausgezeichnet.

Unter einigen eingefleischten Karl May Fans entbrannte gegenüber den österreichischen Bühnen leider auch heftige Kritik, da man sich laut deren Empfinden bei den Inszenierungen zu sehr von den jeweiligen Buchvorlagen gelöst hatte. Im Mittelpunkt der Kritik stand u.a. die Darstellung des Sam Hawkens, der auf allen Bühnen eher als Witzfigur dargestellt wurde. Laut Karl May ist Hawkens aber ein erfahrener und kauziger Scout. Die Kritik mag durchaus berechtigt sein, jedoch sollte sie nicht als Anlass genutzt werden, um sich im Ton zu vergreifen. Das man Sam Hawkens in Österreich und übrigens auch in Deutschland mehr als Witzfigur interpretiert, dürfte aber wohl nicht zuletzt auch an der Darstellung von Ralf Wolter liegen, der in den Filmen der 60-er Jahre an der Seite von Pierre Brice und Lex Barker die Figur mit viel Humor zum Leben erweckte und entsprechend bis heute als eben jene Witzfigur geprägt hat. Dem Publikum haben die Aufführungen hierzulande jedenfalls sehr gefallen, und das ist es, was letztendlich zählt. Daher würde auf den österreichischen Bühnen etwas Wesentliches fehlen, wenn Sam Hawkens wegen ein paar wenigen Kritikern nicht mehr lustig sein darf. Auch die Neuinterpretierungen der Geschichten bieten einen gewissen Reiz. So kann man in Österreich eine Vorstellung besuchen und sich überraschen lassen. Wenn man von der Handlung – wie von den Kritikern gefordert – aber nur puren Karl May spielen würde, dann wäre der Inhalt stets bekannt, und man würde nicht mehr viel neues zu sehen bekommen. So aber durften die Helden Karl Mays in diesem Sommer in Österreich quasi neue Abenteuer erleben, ohne dass dabei die Werte des großen Autors vernachlässigt wurden. Gerade in dieser Hinsicht ist Winzendorf besonders positiv aufgefallen. Hier wurden aktuelle Themen in der Inszenierung verarbeitet, so dass man als Zuschauer nicht nur gut unterhalten wurde, sondern auch ins Nachdenken kam. Das dürfte ganz im Sinne von Karl May gewesen sein, der – würde er noch unter uns leben – sicher auch noch weitere Geschichten um Winnetou und Old Shatterhand schreiben würde.

Auch an die weiblichen Darsteller wird man sich noch gerne zurück erinnern. Sabine Kranzelbinder glänzte in Weitensfeld gefühlvoll als Ellen Patterson, und Christine Renhardt überzeugte in Winzendorf als Indianerin Mine-Yota. Eine kleine Sensation waren die Auftritte von Regine Rieger, die als Apanatschi das Winzendorfer Publikum ganz in ihren Bann zog. Vor einigen Jahren kam sie als Reitstatistin zu den Karl May Bühnen, wo sie ihre Liebe zur Schauspielerei entdeckte. Und in der diesjährigen Saison hat sie gezeigt, dass sie zu den ganz großen Darstellerinnen gehört, die ohne Probleme auch auf den großen deutschen Bühnen wie Elspe oder gar Bad Segeberg spielen könnte.

Und natürlich wird man sich auch an die unterschiedliche Darstellung des Winnetou erinnern. Der Gföhler Winnetou wirkte ein wenig farblos. Da im Stück sämtliche Karl May Helden auf einmal auf der Bühne zu sehen waren, erschien die Hauptfigur eher wie eine Nebenfigur. Thomas Koziol spielte in Kärnten erneut einen grimmigen und rachsüchtigen Winnetou und nahm der Figur durch seine Darstellung den märchenhaften romantischen Aspekt. Das hatte aber durchaus seinen Reiz, da dies sehr authentisch wirkte. Balázs Schallenberg glänzte bereits das dritte Mal in Folge als edler und würdevoller Häuptling, wie man ihn auf einer Karl May Bühne sehen möchte. Bleibt zu hoffen, dass er dem Winzendorfer Ensemble noch ein weiteres Jahr erhalten bleibt.

Für die meisten Darsteller geht es nach diesem letzten Festspielwochenende gleich ohne Pause weiter. Zum einen finden bereits andere laufende Aufführungen statt, und andererseits müssen neue Theaterstücke oder Musicals einstudiert werden. Helmut „Shatterhand“ Urban wird z.B. ein weiteres Mal in der Komödie „Weekend im Paradies“ zu sehen sein, die im September im Wiener Theater Center Forum wieder aufgeführt wird. Nun heißt es für die Akteure Abschied nehmen. „Über den Sommer sind wir als Ensemble wie eine Familie zusammen gewachsen“, sagt Rainer Vogl. Und Helmut Urban: „Schade, dass nach nur einem Monat an Aufführungen schon wieder alles so schnell vorbei ist.“

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