Premiere in Gföhl wegen Regen abgebrochen

Sieben Fernsehteams und Vertreter von diversen Printmedien waren extra angereist, um nach zweijähriger Pause über den Wiederbetrieb der Karl May Spiele in Gföhl zu berichten. Und dann so etwas: nach nur 40 Minuten Spielzeit brach ein Unwetter herein. Die Vorstellung wurde abgebrochen, und das Publikum musste fluchtartig die Tribüne verlassen. Einziges Trostpflaster: die Eintrittskarten behalten für die gesamte Spielzeit ihre Gültigkeit, und die Zuschauer können jederzeit zu einer anderen Vorstellung wiederkommen.

Am Tag zuvor fand die Vorpremiere statt, bei dem man bereits einen Eindruck vom neuen Stück bekommen konnte: Friedrich Grud hat sich bei seiner Inszenierung zu „Der Schatz im Silbersee“ von der Filmvorlage inspirieren lassen. Das Stück beginnt mit einer Szene, wo Fred und Ellen zum Silbersee kommen und sich an das Abenteuer aus ihrer Kindheit erinnern, bei dem sie sich kennengelernt haben. Rückblickend wird diese Geschichte dann erzählt: Cornel Brinkley, ein verbitterter Südstaatenoffizier, der nicht wahr haben will, dass der Bürgerkrieg verloren ist, will mit seinen Tramps und dem falschen Arzt Jefferson Hartley den sagenumwobenen Schatz im Silbersee erbeuten, um die Kriegskasse anzufüllen. Hartely hat jedoch andere Pläne mit dem Schatz. Auf ihrem Weg zum Silbersee hinterlassen die Banditen eine blutige Spur. Sie hetzen den Stamm der Utahs auf, und entführen die Kinder Fred und Ellen von Butlers Farm, um an die Schatzkarte heranzukommen.

Als besonderen Bonus sieht man neben Winnetou, Old Shatterhand und Sam Hawkens auch noch die anderen May-Helden Old Firehand, Old Surehand und Tante Droll im Kampf gegen die Banditen vereint. Besonders hervorzuheben sind hier vor allem die Brüder Kurt und Michael Allmer, die in ihren Rollen als Firehand und Surehand eine glänzende Leistung abgeben. Andreas Vavra wirkt allerdings noch etwas farblos in seiner Rolle als Winnetou, was sich aber im Laufe dieser Saison sicher noch ändern kann. Ebenso ausbaufähig ist auch die Rolle des Cornel Brinkley, der leider stets zu Fuß und nie zu Pferd die Bühne betritt. Thomas Schüler in der Rolle des Jefferson Hartley spielt dagegen überragend gut – ein Bösewicht, wie er im Buche steht. Er ist der eigentliche Star in dieser rasanten Inszenierung, und er bringt gekonnt seine Erfahrung als Schauspieler und Synchronsprecher effektvoll zum Einsatz, selbst noch dann, wenn sein Pferd zuweilen etwas störrisch ist. Schon allein wegen ihm lohnt sich der Besuch in Gföhl. Max Mayrhofer als Sam Hawkens und Wolfgang Gruber als englischer Lord Castlepool sorgen mit gekonntem Wortwitz für lustige Momente. Ein Schmunzeln ging durch die Reihen, als Richard Lugner in der Rolle des Mr. Butler die Bühne betrat. Über seine Textpatzer sah man mit einem Augenzwinkern hinweg, und als sich die Pforten von Butlers Farm nach seinem letzten Auftritt hinter ihm schlossen, wurde er mit großem Applaus verabschiedet. Lediglich das Ende des Stücks ist äußerst schwach inszeniert. Die Handlung spitzt sich nicht wirklich auf den Höhepunkt zu, und man hätte sich ein weitaus dramatischeres Finale gewünscht, bei dem man sieht und hört, wie Jefferson Hartley mit dem Schatz untergeht. Zu sehen gibt es lediglich eine Explosion, und was aus Hartley und dem Schatz geworden ist, wird anschließend nur berichtet. Hier hätte man einmal mehr auf das schauspielerische Talent von Thomas Schüler setzen und alle Register der Dramaturgie ziehen können. Doch so kommt das Ende viel zu schnell und abrupt.

Fazit: Eine durchaus gelungene und empfehlenswerte Inszenierung mit einem Ensemble, das bis auf wenige Ausnahmen das Publikum ganz in seinen Bann zieht. Und was echte Karl May Fans besonders erfreut: auf der Gföhler Bühne werden die Helden May-getreu mit ‚Meschurs‘ angeredet.

Fotos: Edith Dörfler

Fotos von der Premiere (ext. Link)

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